Tinnitus-Behandlung: was hilft und was nicht

Eine Heilung für Tinnitus gibt es bisher nicht. Es gibt aber Wege, die Ohrgeräusche weniger aufdringlich und weniger belastend zu machen. Am besten belegt ist die kognitive Verhaltenstherapie, bei zusätzlicher Schwerhörigkeit werden Hörgeräte empfohlen, und die Grundlage jeder Behandlung ist eine gute Aufklärung. Von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln gegen den Tinnitus selbst raten die Leitlinien ab.

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Dieser Ratgeber bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Ihr Tinnitus neu ist, nur auf einer Seite auftritt, pulsiert oder mit Hörverlust oder Schwindel einhergeht, gehen Sie bitte zu einer Ärztin oder einem Arzt.

Ist Tinnitus heilbar?

Bisher nicht. Es gibt keine Heilung für Tinnitus[1] und keine Medikamente gegen chronischen Tinnitus[2]. Hat das Ohrgeräusch eine klare Ursache, etwa einen Ohrenschmalzpfropf oder Probleme mit dem Kiefergelenk, kann deren Behandlung es beseitigen oder deutlich verringern[1].

Bei anhaltendem Tinnitus geht es darum, die Belastung zu senken. Die Deutsche Tinnitus-Liga betont, dass sich ein belastender Tinnitus durch Gewöhnung in einen gut erträglichen verwandeln lässt, und nennt dafür mehrere Bausteine: Aufklärung und Beratung, kognitive Verhaltenstherapie, Hörtherapie, gegebenenfalls Hörgeräte, Entspannungsverfahren, Stressbewältigung und Selbsthilfegruppen[3].

Welche Behandlungen sind am besten belegt?

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

Für die Verhaltenstherapie spricht die stärkste Studienlage. Die S3-Leitlinie empfiehlt sie bei chronischem Tinnitus mit starker Empfehlung und auf Basis hochwertiger Studien[4]. Ein Cochrane-Review von 2020 mit 28 Studien und 2.733 Erwachsenen kam zu dem Ergebnis, dass KVT die Auswirkungen des Tinnitus auf die Lebensqualität im Vergleich zu keiner Behandlung verringern kann und wahrscheinlich mehr hilft als eine rein audiologische Versorgung[5]. Auch die britische und die US-amerikanische Leitlinie empfehlen KVT[6, 7]. Mehr dazu im Ratgeber zur kognitiven Verhaltenstherapie.

Hörgeräte bei Schwerhörigkeit

Die meisten Menschen mit Tinnitus hören zumindest etwas schlechter, und für sie gehören Hörgeräte zu den wichtigsten Möglichkeiten[1]. Die S3-Leitlinie empfiehlt Hörgeräte bei chronischem Tinnitus mit Schwerhörigkeit, weil der Ausgleich des Hörverlusts die Gewöhnung an das Ohrgeräusch erleichtern kann[4]. Die britische Leitlinie rät dagegen von Hörgeräten ab, wenn kein Hörverlust besteht[6].

Die Studienlage ist dünner, als man erwarten würde. Ein Cochrane-Review fand nur eine geeignete Studie mit 91 Teilnehmenden, die Hörgeräte mit Rauschgeneratoren verglich: Beide Gruppen verbesserten sich, ohne Unterschied zwischen ihnen[8]. Mehr dazu im Ratgeber Hörgeräte bei Tinnitus.

Aufklärung und Beratung (Counselling)

Die S3-Leitlinie bezeichnet die Beratung als Basis der Behandlung jedes chronischen Tinnitus[4]. Schon das Wissen, dass Tinnitus in den meisten Fällen nicht mit einer ernsten Erkrankung zusammenhängt, kann Ängste abbauen[1]. Zur Beratung gehört auch, was den Tinnitus verstärken kann, wie Sie Ihr Gehör schützen und was Sie selbst tun können[6].

Klangtherapie: kaum belegt

Viele empfinden Hintergrundklänge als angenehm, doch ein Cochrane-Review fand keinen Beleg, dass Klanggeräte besser wirken als kein Gerät oder reine Aufklärung[9]. Die S3-Leitlinie rät von Klangtherapie als Behandlung ab[4], während die US-amerikanische Leitlinie sie als Option nennt[7]. Mehr dazu im Ratgeber zur Klangtherapie.

Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT)

Die TRT verbindet Beratung mit Klangtherapie. Laut S3-Leitlinie kann sie als langfristige Behandlung über mindestens zwölf Monate erwogen werden, allerdings bei schwacher Studienlage, und Rauschgeräte bringen dabei keinen zusätzlichen Nutzen[4]. Die Studien dazu stellen wir im Ratgeber zur TRT vor.

Behandlung von Schlafstörungen, Angst und Depression

Begleiterkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen sollen nach den jeweiligen Leitlinien behandelt werden, wenn nötig auch mit Medikamenten[4]. Antidepressiva können bei starker Belastung oder Schlafstörungen unterstützend eingesetzt werden, wenn eine Depression oder Angsterkrankung vorliegt[2]. Siehe auch Tinnitus und Schlaf sowie Tinnitus, Stress und Angst.

Wovon raten die Leitlinien ab?

Anders ist es bei akutem Tinnitus mit Hörverlust oder nach einem Hörsturz: Hier richtet sich die Behandlung nach der Leitlinie zum Hörsturz, die eine Kortisonbehandlung vorsieht[4, 2].

Wann sollte ich in die HNO-Praxis?

Ein Hörtest gehört zu jeder Tinnitus-Abklärung, um eine Schwerhörigkeit zu erkennen[2, 6]. Sofort in die Notaufnahme oder die 112 rufen sollten Sie, wenn der Tinnitus nach einer Kopfverletzung beginnt oder mit plötzlichem Hörverlust, einer Schwäche im Gesicht oder Drehschwindel auftritt[10]. Alle Warnzeichen finden Sie im Ratgeber Was ist Tinnitus?

Wie erkenne ich unseriöse Heilversprechen?

Vitamine, Pflanzenextrakte und Nahrungsergänzungsmittel werden oft als Mittel gegen Tinnitus beworben, doch für keines ist eine Wirkung belegt[1]. Seien Sie vorsichtig bei Angeboten, die versprechen, den Tinnitus dauerhaft zum Schweigen zu bringen, fragen Sie nach den Studien dahinter, und sprechen Sie mit Ihrer HNO-Ärztin oder Ihrem HNO-Arzt, bevor Sie Geld ausgeben.

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Quellen

  1. National Institute on Deafness and Other Communication Disorders (NIDCD), NIH. Tinnitus. 2023.
  2. Deutsche Tinnitus-Liga e. V. Tinnitus.
  3. Deutsche Tinnitus-Liga e. V. Tinnitus Awareness Week 2025: DTL informiert über wirksame Behandlungsmethoden bei Tinnitus. Pressemitteilung, 2025.
  4. Mazurek B, Hesse G, Sattel H, et al. S3 Guideline: Chronic Tinnitus. Deutsche Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC). HNO, 2022. Englische Fassung der S3-Leitlinie „Chronischer Tinnitus“, AWMF-Register 017/064 (2021).
  5. Fuller T, Cima R, Langguth B, et al. Cognitive behavioural therapy for tinnitus. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2020.
  6. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Tinnitus: assessment and management (NG155), Recommendations. NICE guideline, 2020.
  7. Tunkel DE, Bauer CA, Sun GH, et al. Clinical practice guideline: tinnitus. Otolaryngology, Head and Neck Surgery, 2014 (AAO-HNSF).
  8. Hoare DJ, Edmondson-Jones M, Sereda M, Akeroyd MA, Hall D. Amplification with hearing aids for patients with tinnitus and co-existing hearing loss. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2014.
  9. Sereda M, Xia J, El Refaie A, et al. Sound therapy (using amplification devices and/or sound generators) for tinnitus. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2018.
  10. NHS. Tinnitus. NHS website, 2024.