Pulsierender Tinnitus: warum er ärztlich abgeklärt werden sollte

Pulsierender oder pulssynchroner Tinnitus ist ein rhythmisches Rauschen oder Pochen im Takt des Herzschlags. Anders als beim gewöhnlichen Tinnitus steckt oft eine bestimmte Ursache an den Blutgefäßen in Ohrnähe dahinter, und sie lässt sich häufig finden. Deshalb empfehlen die Leitlinien eine ärztliche Abklärung, in der Regel mit Bildgebung. Warten Sie nicht ab, ob es von selbst vergeht, sondern vereinbaren Sie zeitnah einen Termin.

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Dieser Ratgeber bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Ihr Tinnitus neu ist, nur auf einer Seite auftritt, pulsiert oder mit Hörverlust oder Schwindel einhergeht, gehen Sie bitte zu einer Ärztin oder einem Arzt.

Was ist pulsierender Tinnitus?

Es ist ein rhythmisches Geräusch im Kopf oder in den Ohren, das meist im gleichen Takt wie der Herzschlag pulsiert. Ob das so ist, merken Sie oft schon, wenn Sie beim Hinhören Ihren Puls am Handgelenk oder am Hals fühlen[1]. Pulsierender Tinnitus ist viel seltener als der gleichmäßige: Weniger als 10 von 100 Menschen mit Tinnitus haben diese Form[2, 3].

Manchmal kann auch die Ärztin oder der Arzt das Geräusch mit dem Stethoskop hören. Man spricht dann von objektivem Tinnitus, für den sich oft eine Ursache finden und behandeln lässt[4, 1].

Ein rhythmisches Geräusch, das nicht zum Puls passt, ist etwas anderes. Ein Klicken oder Flattern kann von kleinen Muskeln im Mittelohr oder am Gaumen kommen, die zucken, und ein Geräusch, das sich mit der Atmung verändert, von der Verbindung zwischen Ohr und Nase. Diese Formen sind selten und gehören ebenfalls in ärztliche Hände[1].

Welche Ursachen kommen in Frage?

Meist steckt eine Veränderung des Blutflusses in den Gefäßen nahe dem Ohr dahinter, oder man nimmt diesen Blutfluss stärker wahr als sonst[1]. Mögliche Ursachen sind zum Beispiel[1, 2]:

Auch manche Medikamente, darunter bestimmte Blutdruckmittel, können einen pulsierenden Tinnitus begünstigen[2]. Setzen Sie verordnete Medikamente aber nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie das in der Praxis an.

Die Liste ist nicht vollständig, und am Geräusch selbst lässt sich die Ursache nicht erkennen[1]. Selbst nach sorgfältiger Untersuchung bleibt sie bei bis zu 30 von 100 Betroffenen unklar[2].

Warum ist eine ärztliche Abklärung wichtig?

Beim gleichmäßigen Tinnitus findet sich nur selten eine einzelne Ursache, beim pulsierenden dagegen deutlich häufiger[1, 2], und manche dieser Ursachen müssen behandelt werden. Die S3-Leitlinie sieht deshalb vor, bei pulssynchronem Tinnitus Gefäßveränderungen abzuklären[5]. Die britische Leitlinie empfiehlt für alle Betroffenen eine Bildgebung[6], und der britische Gesundheitsdienst rät, um einen dringenden Termin zu bitten[7].

Eine Überweisung zur Bildgebung bedeutet nicht, dass die Ärztin oder der Arzt etwas Schlimmes vermutet. Sie ist schlicht der übliche Weg, nach der Ursache zu suchen.

Welche Untersuchungen sind möglich?

Besteht der Verdacht auf erhöhten Hirndruck, kann eine augenärztliche oder neurologische Untersuchung dazukommen[1]. Für den Termin hilft es, sich zu notieren, seit wann das Geräusch besteht, ob es ein Ohr oder beide betrifft und ob Kopfschmerzen oder Sehstörungen auftreten, und eine Liste Ihrer Medikamente mitzubringen.

Wann ist es ein Notfall?

Gehen Sie in die Notaufnahme oder rufen Sie die 112, wenn der Tinnitus nach einer Kopfverletzung beginnt oder mit plötzlichem Hörverlust, einer Schwäche im Gesicht oder Drehschwindel auftritt[7] oder wenn andere plötzliche neurologische Ausfälle hinzukommen[6]. Treten zusammen mit dem Pulsieren neue Kopfschmerzen oder Sehstörungen auf, lassen Sie dies bitte zeitnah ärztlich abklären, denn sie können auf erhöhten Hirndruck hinweisen[2].

Wie wird pulsierender Tinnitus behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, die bei den Untersuchungen gefunden wird. Gibt es eine körperliche Ursache, kann deren Behandlung helfen[1]. Einige Beispiele, allgemein beschrieben:

Auch Eingriffe haben Risiken. Deshalb wird gemeinsam mit den Fachleuten abgewogen, welche Risiken von der Ursache ausgehen und welche von der Behandlung[9]. Findet sich keine Ursache, oder während Sie auf Untersuchungen warten, können dieselben Ansätze wie bei anderen Tinnitusformen hilfreich sein, etwa Klangtherapie, Entspannung und kognitive Verhaltenstherapie[1]. Mehr dazu in den Ratgebern zur kognitiven Verhaltenstherapie, zu Tinnitus, Stress und Angst und zur Tinnitus-Behandlung.

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Quellen

  1. Tinnitus UK. Pulsatile tinnitus. 2022.
  2. Hofmann E, Behr R, Neumann-Haefelin T, Schwager K. Pulsatile tinnitus: imaging and differential diagnosis. Deutsches Ärzteblatt International, 2013.
  3. Deutsche Tinnitus-Liga e. V. Tinnitus.
  4. National Institute on Deafness and Other Communication Disorders (NIDCD), NIH. Tinnitus. 2023.
  5. Mazurek B, Hesse G, Sattel H, et al. S3 Guideline: Chronic Tinnitus. Deutsche Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC). HNO, 2022. Englische Fassung der S3-Leitlinie „Chronischer Tinnitus“, AWMF-Register 017/064 (2021).
  6. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Tinnitus: assessment and management (NG155), Recommendations. NICE guideline, 2020.
  7. NHS. Tinnitus. NHS website, 2024.
  8. NHS. Intracranial hypertension. NHS website.
  9. Narsinh KH, Hui F, Duvvuri M, Meisel K, Amans MR. Management of vascular causes of pulsatile tinnitus. Journal of NeuroInterventional Surgery, 2022.